Kooperationen ohne Grenzen

Bosch produziert und entwickelt Kfz-Komponenten in verschiedenen europäischen Ländern. An 3D-Modellen arbeiten Entwickler und Fertigungsingenieure in geografisch verteilten Teams zusammen.

Die Kraftstoffpumpe in der Tankeinbaueinheit des Benzintanks ist unscheinbar. Sie gibt aber ein gutes Beispiel, wie Bosch als internationales Unternehmen in verteilten Teams entwickelt und produziert. Das Netzwerk hat zwei Hauptknoten: Vom Entwicklungsstandort Schwieberdingen (1) gehen alle Impulse aus; hier sitzt auch die übergeordnete Projektkoordination. In Budweis (3) fließt alles zusammen; in diesem Werk entsteht aus den Einzelbauteilen die Tankeinbaueinheit. In den Teilewerken Alcala (2a) und Bühl (2b) sind Entwicklerteams vor Ort, um ihre jeweiligen Komponenten zu optimieren und die Fertigung abzustimmen. Per Datenleitung können sie auf die Design- und Prozessdaten einer Kooperationsplattform zugreifen und Ergebnisse zurückspielen.

Ist der schnelle persönliche Kontakt gefragt, konferieren die Mitarbeiter aus Entwicklung und Fertigung per Telefon oder Videokonferenz. Auf den Computerbildschirm rufen sie ein 3D-Modell der aktuellen Konstruktion auf. Sie können dieses nach Belieben drehen, Abmessungen ermitteln, Änderungen diskutieren und dokumentieren. Das 3D-Modell ist eine stark vereinfachte Variante von CAD-Konstruktionen. Es ist für Personen gedacht, die keine CAD-Spezialisten sind. Mit einem so genannten 3D-Viewer kann auch ein Vertriebsingenieur auf einfache Weise Designdetails dem Kunden präsentieren. Mit dem reduzierten 3D-Modell haben Entwickler, Fertigungs- und Vertriebsingenieure sowie Servicefachleute eine gemeinsame Sprache gefunden.

Auf ihrer Kooperationsplattform können die Entwicklungskoordinatoren genau einstellen, welche Daten welchem Team, Zulieferer (S) oder Kunden zugänglich gemacht werden. Gegenüber bisherigen Verfahren konnten die Entwicklungsteams die Zeiten für die Abstimmung von Änderungen um durchschnittlich ein Drittel senken.

Weitere Fortschritte im Forschungsprojekt zur Unterstützung solcher virtueller Teams: Nachdem Entwicklung und Fertigung die Kooperationsplattform innerhalb der Bosch Gruppe bereits erfolgreich nutzen, werden nun externe Partner in Pilotprojekten eingebunden. Das langfristige Ziel ist die durchgängige Nutzung von 3D-Modellen in der gesamten Wertschöpfungskette bis hin zum Service. Forscher von Bosch leiten deswegen eine Arbeitsgruppe des Verbands der Automobilindustrie (VDA) und des ProSTEP Vereins, um für den firmenübergreifenden Einsatz von 3D-Modellen in der Automobilbranche einen Standard zu etablieren.